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Fritz Arlt
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Fritz Arlt (* 12. April 1912 in Niedercunnersdorf;cite-ref-1[1] † 21. April 2004 in Seeg) war als deutscher nationalsozialistischer FunktionĂ€r in fĂŒhrender Funktion an ethnischen SĂ€uberungen in Polen beteiligt, Leiter der Freiwilligen-Leitstelle Ost, Leiter der FlĂŒchtlings-Leitstelle und nach 1945 ArbeitgeberverbandsfunktionĂ€r in Jugendbildungswerken.cite-ref-2[2]

Contents

‱ Leben
‱ Nach 1945
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Leben

Fritz Arlts Elternhaus war konservativ-pietistisch, ein Teil der Verwandtschaft stammte aus Oberschlesien. Von 1926 bis 1932 wurde er in einem christlichen Internat erzogen und war in der Deutschen Freischar aktiv. Im Jahr 1929 trat er von den Jungsozialisten zur HJ ĂŒber.cite-ref-arlt-1995-143-3-0[3]

1932 mit Schelsky zur SA

Arlt trat zum 1. November 1932 in die NSDAP (Mitgliedsnummer 1.376.685)cite-ref-4[4]cite-ref-musial380-5-0[5] und – zusammen mit dem gleichaltrigen Helmut Schelsky – in die SA ein. Die MachtĂŒbergabe an die NSDAP erlebte er als Student, gegen den wegen einer SA-SchlĂ€gerei ein von der Polizei angestrengtes Relegationsverfahren lief (gemĂ€ĂŸ NSDAP-Darstellung gehörte er „beim Umsturz der Hilfspolizeibereitschaft Hauptmann Rost an.“). Das Relegationsverfahren wurde im April 1933 eingestellt. Arlt studierte Philosophie bei Arnold Gehlen in Leipzig, er promovierte im Jahr 1936 bei diesem und Otto Reche. Er gehörte hier einer Studentengeneration an, welche die spĂ€tere Elite im Reichssicherheitshauptamt bilden sollte.cite-ref-6[6] Im Dezember 1934 wurde er unbezahlter Mitarbeiter des in diesem Jahr gegrĂŒndeten Rassenpolitischen Amtes (RPA).

‱ 1933 Vorsitzender des Studentenwerks.cite-ref-arlt-1995-143-3-1[3]
‱ 1934 Leiter des Kreisamtes fĂŒr Rassen- und Bevölkerungspolitik des Kreises Leipzig. Beginn der Erhebungen zur Bevölkerungsstruktur der Juden in Leipzig, seinem Dissertationsthema von 1935/36.cite-ref-arlt-1995-143-3-2[3]

Zu seinem Freundeskreis gehörten – so eine spĂ€tere Selbstaussage – Hans-Joachim Schoeps, Joachim Wach und Fritz Borinski.cite-ref-arlt-1995-143-3-3[3]

1936 mit „Volksbiologischen Studien“ zum SD

1936 schloss Arlt sein „Volksbiologische Untersuchungen“ in Leipzig ab. Diese waren eine detaillierte AufschlĂŒsselung der Wohnortverteilung von Menschen, welche in der VolkszĂ€hlung von 1933 angegeben hatten, sie seien jĂŒdischen Glaubens, sowie solchen, die Arlt aufgrund weiterer Ausforschungen einem Teil der „jĂŒdischen Rasse“ zuordnete. Daten dieser Menschen registrierte Arlt auf Karteikarten und stellte die von ihm gefundene Wohnortkonzentration georeferenziert dar – eine Vorgehensweise, welche eine Selektion der Daten des einzelnen Menschen zuließ und beim SD als Vorbild fĂŒr Eichmanns Aufgabe aufgenommen wurde (ein KontaktgesprĂ€ch mit dem SD ist im Folgenden dokumentiert):

„Dr. Arlt ist alter Pg. Er besitzt hervorragende Kenntnisse ĂŒber das Judentum. WĂ€hrend seiner Zeit in Leipzig hat er sĂ€mtliche Voll-, Dreiviertel-, Halb- und Vierteljuden karteimĂ€ĂŸig kategorisch erfasst. Diese Arbeit hat Dr. Arlt aus eigener Initiative durchgefĂŒhrt. Er beabsichtigt, dieselbe Kartei zuerst fĂŒr Oberschlesien und schließlich fĂŒr ganz Schlesien aufzubauen und bat um die UnterstĂŒtzung des S.D. (
) Dr. Arlt erbot sich, einigen SD-Angehörigen NeuhebrĂ€isch zu lehren. (
) Der Refererent II 112 des SD-OA SĂŒdost hat bereits am 3.7.36 mit Dr. Arlt FĂŒhlung aufgenommen. Eine unmittelbare Aussprache mit dem Leiter der Abteilung II 112 in Berlin wird fĂŒr angebracht gehalten.“cite-ref-7[7]

Im August 1936 zog Arlt nach seinem Studium von Leipzig nach Breslau; im dortigen Rassenpolitischen Amt im Gau Schlesien wurde er Amtsleiter und Gauschulungsleiter, spĂ€ter war er Lehrbeauftragter fĂŒr „Rassenkunde“ an der UniversitĂ€t Breslau. Er war dort auf Vorschlag von Martin Staemmler als dessen Vertreter ins Gauamt fĂŒr Rassen- und Bevölkerungsfragen berufen worden. Neben Familienpolitik und rassistischer Propaganda fĂŒhrte er SonderauftrĂ€ge fĂŒr den OberprĂ€sidenten Wagner in der Grenzlandpolitik durch.cite-ref-arlt-1995-143-3-4[3]

Arlt publizierte seine rassistischen Thesen unter anderem in Der Weltkampf, einer antisemitischen Zeitschrift, die spÀter von der Hohen Schule der NSDAP unter dem technischen Leiter Kurt Wagner erworben wurde.

1937 Einstellung in den FĂŒhrungsstab der Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer

1937 wurde der polnischsprechende Arlt bei der SS eingestellt, hier arbeitete er im FĂŒhrungsstab der Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer (HSSPF) Oberschlesien. Zeitgleich begann seine Zusammenarbeit mit der Dienststelle Canaris.cite-ref-arlt-1995-143-3-5[3]

Ab 1937 wurden beim SD Informationen fĂŒr einen möglichen Krieg gegen Polen gesammelt. Ein Sonderfahndungsbuch Polen, das etwa 61.000 Namen polnischer Intelligenz umfasste, war angelegt worden. Franz Six baute im Amt II die Zentralstelle II P (Polen) auf. Vor der Einrichtung der Zentralstelle II P (Polen) des SD hatte sich Herbert Hagen Gedanken ĂŒber „Verbindungsmöglichkeiten nach Polen“ gemacht und notiert, „daß es darauf ankomme, in Polen Personen zu kennen, die genaue AuskĂŒnfte zu einer vollstĂ€ndigen Erfassung des Judentums in Polen geben können“.cite-ref-8[8]

Heirat mit Ida Maria HĂŒbsch.cite-ref-arlt-1995-144-9-0[9]

„Rasse, Volk und Erbgut in Schlesien“

Anfang 1938 beschwerte sich der Gauleiter des Gau Schlesien Josef Wagner beim Reichsministerium fĂŒr Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, dass die Rassenzusammensetzung Schlesiens in populĂ€ren und halbwissenschaftlichen Darstellungen oft falsch sei: Schlesien sei „nordisch“, nicht „ostisch“, dies sei durch Untersuchungen des Breslauer Professor fĂŒr Rassenkunde Egon Freiherr von Eickstedts und seiner Mitarbeiter wissenschaftlich belegt. Er forderte, solche Darstellungen in Zukunft zu unterbinden. FĂŒr weitere AuskĂŒnfte sei Fritz Arlt zustĂ€ndig.

Das Reichsministerium beauftragte die Publikationsstelle in Berlin-Dahlem in Zusammenarbeit mit der Nordostdeutschen Forschungsgemeinschaft (NODFG), die fĂŒr die Kontrolle der wissenschaftlichen Publikationen im Bereich Ostforschung zustĂ€ndig waren, sich sachkundig zu machen. Johannes Papritz von der Publikationsstelle fragte bei Rassenkundlern wie Otto Reche und Fritz Lenz sowie bei Hermann Aubin, dem Breslauer Vertreter der NODFG, um Beurteilung der Schlesienuntersuchung nach. Arlt hatte 1938 zusammen mit Heinrich Tewes eine Heftreihe „Volk, Rasse, Erbwert“ in Schlesien begonnen, spĂ€ter aber zusammen mit Tewes an der Herausgabe der Eickstedtschen Schlesienuntersuchung: „Rasse, Volk, Erbgut in Schlesien“ mitgewirkt und vermutlich auch praktische und organisatorische Hilfen geleistet.

Die Beurteilung fiel aufgrund persönlicher AnimositĂ€ten gegenĂŒber Eickstedt und berechtigten methodischen Kritikpunkten, die vor allem Lenz, aber auch Otmar Freiherr von Verschuer beisteuerten, negativ aus. Das Reichsministerium verschleierte seine Quelle und fĂŒgte eine Stellungnahme des „Beauftragten fĂŒr die gesamte geistige und weltanschauliche Schulung der NSDAP“ bei. Arlt wurde auf Anweisung aus Berlin 1943 durch Wagners Nachfolger Fritz Bracht zum RĂŒckzug aus dem Projekt gezwungen.

Eine Zensur oder ein Einziehen der Heftreihe wurde nicht als nötig befunden, auch weil Martin Staemmler sich fĂŒr sie starkgemacht hatte. Der Zensurversuch zur Rassenkunde Schlesiens, den die Gruppe um Arlt versuchte, scheiterte damit durch amtliche und parteiamtliche Erlasse.cite-ref-10[10]

Diese Schlesienuntersuchung, die z. B. auch die Verkartung von KirchenbĂŒchern durch den NSLB integrierte, ist das GegenstĂŒck zu Arlts Rassenkunde an „Fremdrassigen“.

1938 „Volksbiologische Studien“, Anleitung zur Massenabschiebung

1938 wurde Arlt Gaubeauftragter des RPAs im Gau Schlesien. Im selben Jahr wurden Arlts „Volksbiologische Untersuchungen“ veröffentlicht. In diesen schlug er vor, die Leipziger Juden als AuslĂ€nder auszuweisen und nach ihren Herkunftsorten in Polen zu deportieren.

Die von Arlt vorgeschlagene Vorgehensweise wurde 1938 in einem Zusammenspiel von deutscher und polnischer Regierung durch Abschiebungen massenhaft ausgefĂŒhrt. Die Reaktionszeit der polnischen Regierung im Rahmen dieser ersten Massenabschiebungen 1938 machte deutlich, dass auch die Regierung von Polen ĂŒber – nach Religion und Muttersprache selektierbare – fortgeschriebene VolkszĂ€hlungsdaten von 1931 verfĂŒgte.

Am Abend des 29. Oktober 1938 hatte die polnische Regierung angeordnet, deutsche BĂŒrger aus Posen und Pommerellen abzuschieben. Die deutsche Regierung argumentierte, dass die Abschiebung von Ariern den Konflikt verschĂ€rfen wĂŒrde, worauf die polnische Regierung nur jĂŒdische Deutsche abschob.

1939 „Bevölkerungswesen und FĂŒrsorge“ im Generalgouvernement

Noch im August 1939 erarbeitete Arlt in Breslau die sogenannte Judenkartei, wofĂŒr er den jĂŒdischen, spĂ€ter nach Auschwitz deportierten und ermordeten Historiker Willy Cohn durch Vorladung verpflichtete und sich dessen Kenntnisse zunutze machte. Er requirierte auch „gegen Ehrenwort“ einschlĂ€gige BĂŒcher aus dessen umfangreicher Bibliothek.cite-ref-11[11]

Arlt nahm beim Überfall auf Polen bei einem Brieger Bataillon teil.cite-ref-arlt-1995-144-9-1[9] Beim Überfall auf Polen konfiszierte der SD die Daten der VolkszĂ€hlung in der UniversitĂ€t in Warschau. Im Oktober 1939 wurde Arlt Leiter der Abteilung „Bevölkerungswesen und FĂŒrsorge“ unter dem Besatzungsregime des Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank.cite-ref-12[12]

Aus dem Warthegau wurden unter maßgeblicher Beteiligung von Arthur Greiser im FrĂŒhjahr 1940 monatlich 15.000 Polen in das Generalgouvernement abgeschoben. In einem Filminterview fĂŒr die BBCcite-ref-13[13] Ă€ußerte sich Arlt 1997 in der 31. Minute des 48:20 Minuten dauernden Filmes zu den Opfern dieser Deportationen, welche nach ihrer Ankunft unter seiner Verantwortung als Leiter des Amtes fĂŒr „Bevölkerungswesen und FĂŒrsorge“ im Generalgouvernement standen:

30:49 Fritz Arlt: Nacht fĂŒr Nacht kamen EvakuiertenzĂŒge, die die sogenannte Umsiedlungszentrale, deren Chef Herr Eichmann war, in das Generalgouvernement die Leute wurden raus geschmissen aus den ZĂŒgen, ob auf dem Marktplatz, auf dem Bahnhof, wo es irgend wo war, und es kĂŒmmerte sich Niemand darum.

31:13 So wir bekamen also einen Telefonanruf von dem Kreishauptmann, das ist der Landrat etwa. Der sagte jetzt ich weiß nicht mehr was ich machen soll.

Da sind wieder so und so viele daher gekommen, ich habe weder Wohnung, noch zu Essen, noch sonst Etwas.

32:25 Wenn ich an Frank denke, so muss ich sagen: war eine tragisch komische Figur. Der Frank war ein hoch intelligenter Bursche, war ein guter Musiker, Pianist. Herr Frank war einer, der auf PrÀsentation und auf ReprÀsentation sehr viel Wert legte. Weshalb man spöttischer Weise den König von Polen nannte.

35:12 Dr. Fritz Arlt: half beim Umgang mit dem Problem von nicht umsiedlungswilligen Baltendeutschen

35:19 In unserem Interview mit ihm betonte Dr. Arlt, dass er der besetzten Bevölkerung helfen wollte.

35:29 Aber dieser Brief ĂŒber die ethnisch deutschen Bauern zeigt einen anderen Charakter von Arlt.

35:43 Er hat das Diktierzeichen A fĂŒr Arlt, wir erinnerten ihn an die Existenz dieses Briefes.

35:49 Ja was soll ich auch noch, Fragen Sie!

35:55 Der Brief fĂŒhrte dazu, dass RingfĂŒhrer (WehrwirtschaftsfĂŒhrer) der ethnisch Deutschen in ein Konzentrationslager geschickt wurden.

36:03 Frage: Aber was war fĂŒr Sie jetzt ein Konzentrationslager?, Wenn sie sagen, die Einlieferung soll in ein Konzentrationslager sein?

36:09 Arlt: Was fĂŒr mich ein Konzentrationslager war?, Genau in dem Begriff: Ein Lager, in dem Menschen, die irgendwie eine Gefahr bedeuten fĂŒr die Ordnung konzentriert worden sind.

36:35 Frage: Empfanden Sie damals dass das vielleicht eine harte Strafe ist?

36:39 Arlt: Entschuldigen Sie das war den Leuten bekannt, dass die also vermutlich damit rechnen mussten.

Arlt: Ich weiß das nicht ich bin ja nie Lagerverwalter gewesen.

36:58 Sprecher: Dr. Arlt trat 1932 in die NSDAP ein, schÀmt er sich heute in der NSDAP gewesen zu sein?

36:59 Arlt: Ich schĂ€me mich nicht, dass ich Nationalsozialist geworden bin, sondern ich bin durchaus mit einer absoluten Überlegung aus der Situationsanalyse heraus dazu gegangen.

Der Abteilung „Bevölkerungswesen und FĂŒrsorge“ unterstanden die Heil- und Pflegeanstalten, in welchen alte und kranke Patienten ermordet wurden, beispielsweise die Kranken der psychiatrischen Anstalt CheƂm am 12. Januar 1940.cite-ref-14[14]

Im Juli 1940 attestierte Arlt im von ihm herausgegebenen „Volkspolitischen Informationsdienst“ der Regierung des Generalgouvernements, Innere Verwaltung „Bevölkerungswesen und FĂŒrsorge“ (Krakau 1940) Übersicht ĂŒber die BevölkerungsverhĂ€ltnisse im Generalgouvernement und dem besetzten Gebiet Überbevölkerung: Die FlĂ€che des Generalgouvernements bestehe zu weniger als einem FĂŒnftel aus guten Ackerboden, die Bevölkerungsdichte reiche aber mit 126 Menschen pro Quadratkilometer fast an die des Deutschen Reiches heran. „Das ist sowohl in Hinsicht auf die natĂŒrliche Bodenausstattung als auch in Hinsicht seiner industriellen Aufbereitung und Einrichtung zuviel. (
) Das Generalgouvernement ist ein ĂŒbervölkertes Gebiet“ (S. 20). „Der Bevölkerungskundler kennt aus der Geschichte und der praktischen Bevölkerungspolitik drei Wege zur Lösung des Problems der Überbevölkerung“, so fuhr Arlt fort: Die erste Möglichkeit sei, die „Dezimierung der Volkszahl durch Abwanderung auf Zeit (Saisonwanderung)“. Dies wurde durch massenhafte Aushebung von Zwangsarbeitern fĂŒr die deutsche RĂŒstungs- und Landwirtschaft bewerkstelligt. Die zweite „Lösung“ nennt Arlt die „endgĂŒltige Auswanderung“. Diese, so schloss Arlt, sei aber durch den Krieg nicht möglich.

Auf die dritte Lösung, die physische Vernichtung, verwies Arlt in Form von Überlegungen. Sie betrafen die Erhöhung der Sterblichkeit der verwundbarsten Opfer des Naziregimes, der SĂ€uglinge und ĂŒber 65-JĂ€hrigen, und die „Zahl der an sich Lebensschwachen, der Gebrechlichen und Kranken in den ĂŒbrigen Altersschichten“ (S. 9). Arlt bezeichnete diese als „die am meisten dem Absterbeprozeß unterworfenen Schichten“.cite-ref-15[15] SpĂ€ter war Arlt Leiter des Zentralinstituts fĂŒr Landesforschung in Oberschlesien und zudem Leiter der Außenstelle Oberschlesien beim Reichskommissar fĂŒr die Festigung deutschen Volkstums (RKF).

Arlt wurde im Jahr 1940 von der Wehrmacht in die SS ĂŒberfĂŒhrt.cite-ref-arlt-1995-144-9-2[9]

In Vorbereitung auf den 22. Juni 1941: die „Freiwilligen-Leitstelle Ost“

Der Leiter des SS-Hauptamtes, Gottlob Bergercite-ref-16[16] hatte seinen Bekannten Fritz Arlt mit der Bildung der „Freiwilligen-Leitstelle Ost“ beauftragt.

In der „Freiwilligen-Leitstelle Ost“cite-ref-17[17] wurden nichtrussische KampfverbĂ€nde in der Truppe AuslĂ€ndische Freiwillige der Waffen-SS aus Osteuropa zusammengefasst.

Zentralinstitut fĂŒr oberschlesische Landesforschung

1941 baute Arlt, nachdem er durch Bracht als StabsfĂŒhrer des B.d.R.RFSS/RKF ĂŒbernommen wurde, die HauptĂ€mter Volkstumsfragen, Schule und Bildung sowie das Zentralinstitut fĂŒr oberschlesische Landesforschung auf.cite-ref-arlt-1995-144-9-3[9]

RĂŒckzug an die Front

Im Jahr 1943 fiel Arlt nach eigener Angabe Intrigen in der NSDAP und der deutschen Rassenkunde zum Opfer. Er meldete sich zur Truppe, wurde an SturmgeschĂŒtzen geschult und nahm an KĂ€mpfen der SS-Panzer-Division „Das Reich“ teil. 1944 wurde er verwundet und ĂŒbernahm die Freiwilligenleitstelle Ost (fĂŒr Balten, Ukrainer, Weißruthenen, Kosaken) der SS. Bei Kriegsende geriet er mit einer ukrainischen Freiwilligeneinheit in Gefangenschaft.cite-ref-arlt-1995-144-9-4[9]

Nach dem 1. Oktober 1944: die „FlĂŒchtlings-Leitstelle“

Gottlob Berger war der organisatorische Schöpfer der Waffen-SS; Berger wurde neben seinen bereits vielfĂ€ltigen Funktionen am 1. Oktober 1944 von Heinrich Himmler zum Leiter des Kriegsgefangenenwesens ernannt. In dieser Funktion hatte Berger im April 1945 gestattet, dass amerikanische Gefangene durch Verpflegungskonvois des Deutschen Roten Kreuzes unter Ernst-Robert Grawitz versorgt wurden. Aus der „Freiwilligen-Leitstelle Ost“ wurde die „FlĂŒchtlings-Leitstelle“.

Im November 1944 wurde SS-ObersturmbannfĂŒhrer Arlt zur Beförderung zum StandartenfĂŒhrer von seinem Vorgesetzten, SS-ObergruppenfĂŒhrer und General der Polizei Ernst-Heinrich Schmauser, nominiert. Ende Januar 1945 jedoch wurde der Antrag auf Beförderung, da er noch zu jung war, abgelehnt. Im Januar 1945 wurde die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (galizische Nr. 1) als 1. Ukrainische Division der Ukrainischen National-Armee neu formiert, eine FormalitĂ€t, die lediglich auf dem Papier stattfand (aber spĂ€ter das Leben der Soldaten rettete). Im Mai 1945 begab sich die Division in britische Kriegsgefangenschaft. Im Gegensatz zu den meisten anderen osteuropĂ€ischen FreiwilligenverbĂ€nden wurden ihre Angehörigen zum ĂŒberwiegenden Teil nicht an die Sowjetunion ausgeliefert, sondern durften nach Kanada und Australien auswandern.

1945 wurde das „Deutsche Rote Kreuz“ durch die BesatzungsmĂ€chte weitgehend aufgelöst, in der französischen und der sowjetischen Besatzungszone war das DRK verboten. Im Neuaufnahmeantrag an das Zentralkomitee der Nationalen Rotkreuzgesellschaften vom 26. Juni 1952 wurde der Umstand wie folgt beschrieben: „Diese im Jahre 1921 unter dem Namen ‚Deutsches Rotes Kreuz‘ gegrĂŒndete nationale Gesellschaft, die ihre TĂ€tigkeit auf die Gesamtheit des deutschen Gebietes erstreckte, wurde im Laufe des Sommers 1945 durch eine VerfĂŒgung der Besatzungsbehörde aufgelöst.“.cite-ref-18[18]

Nach 1945

Arlt wurde im Jahr 1949 in MĂŒnchen als sogenannter „MitlĂ€ufer“ entnazifiziert; zuvor hatte er fĂŒr die Amerikaner Studien ĂŒber ostpolitische Beziehungen der Deutschen und zur psychologischen KriegsfĂŒhrung erarbeitet.cite-ref-arlt-1995-145-19-0[19]

Nach 1945 war Arlt mit seinen Bekannten Schelsky und Wagner maßgeblich am Aufbau des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes beteiligt. In den Jahren 1954 bis 1957 leitete Arlt die Abteilung „Bildungsarbeit und gesellschaftspolitische Fragen“ beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Er war außerdem Mitglied in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde.cite-ref-arlt-1995-145-19-1[19]

Das staatliche Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) wĂ€hlte ihn zum stellvertretenden Kuratoriums-Mitglied. Nachdem Arlts TĂ€tigkeit als SS-ObersturmbannfĂŒhrer und Gauamtsleiter des Rassenpolitischen Amtes in Schlesien publik geworden war, schied er Ende Dezember 1965 auf Druck der französischen Öffentlichkeit aus dem Gremium aus.cite-ref-20[20]

Mit der letzten Bundesministerin fĂŒr innerdeutsche Beziehungen, Dorothee Wilms, veröffentlichte Arlt vier BĂŒcher zur Sozial- und Wirtschaftspolitik.

In den Jahren 1972 bis 1978 war Arlt als freier Unternehmensberater tÀtig.cite-ref-arlt-1995-145-19-2[19]

Schriften von Fritz Arlt

‱ Volksbiologische Untersuchungen ĂŒber die Juden in Leipzig. Hirzel, Leipzig 1938 (Archiv fĂŒr Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik, Beiheft 4)
‱ Die Unterjochung der Nichtjuden. Ein Programmbild aus der BĂŒcherei der Breslauer Judenlogen. Zugleich ein Beitrag zur Psychologie des Judentums. Zeitschrift „Der Weltkampf“, Hrsg. Institut zur Erforschung der Judenfrage, Jg. 15, 1938, S. 199–202.
‱ Übersicht ĂŒber die BevölkerungsverhĂ€ltnisse im Generalgouvernement. 1940
‱ Aufgaben und Wege der Wirtschaft in der Jugenderziehung Deutsche Industrieverlagsgesellschaft 1955
‱ mit Dorothee Wilms: Junge Arbeiter antworten: Junge Arbeiter und Angestellte Ă€ussern sich zu Beruf und Arbeit, Gesellschaft und Bildung. Ein Beitrag zur Jugendsozialarbeit innerhalb und ausserhalb des Betriebes. Westermann, 1962
‱ Polen-, Ukrainer-, Juden-Politik im Generalgouvernement fĂŒr die besetzten polnischen Gebiete 1939/1940 in Oberschlesien 1941/1943 und im Freiheitskampf der unterdrĂŒckten Ostvölker. Dokumente, Äußerungen von Polen, Ukrainern und Juden. Richtigstellungen von FĂ€lschungen. Erinnerungen eines Insiders. Wissenschaftlicher Buchdienst Herbert Taege,cite-ref-21[21] Lindenhorst 1995, ISBN 3-000001182.

Literatur

‱ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer TB, Frankfurt 2005, ISBN 3-596-16048-0.cite-ref-22[22]
‱ Götz Aly, Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen PlĂ€ne fĂŒr eine neue europĂ€ische Ordnung. Fischer-Taschenbuch 11268, Frankfurt 1993, ISBN 3-596-11268-0.
‱ Roger Uhle: Neues Volk und reine Rasse. Walter Gross und das Rassenpolitische Amt der NSDAP (RPA) 1934–1945. Diss. RWTH Aachen 1999.
‱ Bogdan Musial: Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04208-7; 2. unv. Aufl., ebd. 2004, ISBN 3-447-05063-2.
‱ Frank Mecklenburg: Von der Hitlerjugend zum Holocaust. Die Karriere des Fritz Arlt. In: JĂŒrgen MatthĂ€us, Klaus-Michael Mallmann (Hrsg.): Deutsche – Juden – Völkermord. Der Holocaust in Geschichte und Gegenwart. WBG, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-18481-5, S. 87–101.
‱ Stephan Wendehorst: Bausteine einer jĂŒdischen Geschichte der UniversitĂ€t Leipzig. Simon-Dubnow-Institut fĂŒr JĂŒdische Geschichte und Kultur, Leipziger UniversitĂ€tsverlag, 2007, ISBN 3-86583-106-0.
‱ Miroslaw Sikora: Art. Fritz Arlt. In: Michael Fahlbusch, Ingo Haar, Alexander Pinwinkler (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. Akteure, Netzwerke, Forschungsprogramme. Unter Mitarbeit von David Hamann, Bd. 1, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-042989-3, S. 28–38.
‱ Miroslaw Sikora: Fritz Arlt (1912–2004). In: Joachim Bahlcke (Hrsg.): Schlesische Lebensbilder. Band XIII. Stiftung Kulturwerk Schlesien, WĂŒrzburg 2021, ISBN 978-3-929817-11-9, S. 383–396.

Weblinks

‱ Literatur von und ĂŒber Fritz Arlt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise und Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Frank Mecklenburg: Karriere des Fritz Arlt. In: JĂŒrgen MatthĂ€us, Klaus-Michael Mallmann (Hrsg.): Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-18481-5.
cite-note-22. ↑ Mecklenburg: Karriere des Fritz Arlt: „Arlt sollte nie Beamter oder Staatsangestellter werden, sondern bis 1945 in den Diensten der Partei bleiben.“
cite-note-arlt-1995-143-33. ↑ Arlt 1995, S. 143.
cite-note-44. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/661451.
cite-note-musial380-55. ↑ Bogdan Musial: Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Wiesbaden 1999, S. 380.
cite-note-66. ↑ Michael Wildt: Generation des Unbedingten. Das FĂŒhrungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburg 2002.
cite-note-77. ↑ Bundesarchiv Berlin, R 58/991 vgl. Zum Lebenslauf von Fritz Arlt: Berlin Document Center, Faszikel Arlt (ca. 150 Blatt), zitiert nach: Götz Aly, Karl Heinz Roth: Die restlose Erfassung: VolkszĂ€hlen, Identifizieren, Aussondern im Nationalsozialismus. Fischer, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-14767-0. (Englische Version) bei books.google.com online
cite-note-88. ↑ Zitiert nach: Gerhard Paul: Von Judenangelegenheiten hatte er bis dahin keine Ahnung.
cite-note-arlt-1995-144-99. ↑ Arlt 1995, S. 144.
cite-note-1010. ↑ Detlev Franz: Der politische Kontext der Schlesienuntersuchung. In: Arbeitskreis UniversitĂ€tsgeschichte 1945–1965 (Hrsg.): Elemente einer anderen UniversitĂ€tsgeschichte. Mainz 1991.
cite-note-1111. ↑ Vgl. Willy Cohn: Kein Recht, nirgends. Tagebuch vom Untergang des Breslauer Judentums 1933–1941. Bd. 2, S. 673 f., S. 876 f. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006 (Neuere Forschungen zur Schlesischen Geschichte 13.2), ISBN 3-412-32905-3.
cite-note-1212. ↑ Zum Wirken des Gehlen-SchĂŒlers Arlt in Krakau und zur Einbindung seiner Forschungen in den Kontext damaliger sozialwissenschaftlicher Bevölkerungsforschung siehe auch: Hansjörg Gutberger: Volk, Raum und Sozialstruktur. Sozialstruktur- und Sozialraumforschung im „Dritten Reich“. Lit-Verlag, MĂŒnster u. a. 1996, ISBN 3-8258-2852-2, S. 425–432; Sonja Schnitzler: Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik. Elisabeth Pfeil und das „Archiv fĂŒr Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik“. Springer, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18611-5, S. 298–301.
cite-note-1313. ↑ „The Nazis. A Warning from History“ The first 20 month in Poland v.youku.com
cite-note-1414. ↑ Koƛcian und die Euthanasie in Polen bei www.deathcamps.org
cite-note-1515. ↑ Zitate nach: Götz Aly, Karl Heinz Roth
cite-note-1616. ↑ Gottlieb Berger in der Schreibweise vom 19. Oktober 1945 als Zeuge in NĂŒrnberg www.nizkor.org (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)
cite-note-1717. ↑ Polen-, Ukrainer-, Juden-Politik: im Generalgouvernement fĂŒr die besetzten polnischen Gebiete 1939/40 und in Oberschlesien 1941/43 und im Freiheitskampf der unterdrĂŒckten Ostvölker; Dokumente, Äußerungen von Polen, Ukrainern und Juden, Richtigstellungen von FĂ€lschungen, Erinnerungen eines Insiders / Fritz Arlt
cite-note-1818. ↑ Anerkennung des DRK durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf den 26. Juni 1952 (PDF; 124 kB)
cite-note-arlt-1995-145-1919. ↑ Arlt 1995, S. 145.
cite-note-2020. ↑ SS-FĂŒhrer im „Deutsch-Französischen Jugendwerk“.: Der neue Mahnruf. Zeitschrift fĂŒr Recht, Freiheit und Demokratie / Der neue Mahnruf. Zeitschrift fĂŒr Freiheit, Recht und Demokratie, Jahrgang 1966, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dnm (Seine Truppe „Das Reich“ hatte in Frankreich schwere Kriegsverbrechen begangen.)
cite-note-2121. ↑ Herbert Taege ist ein ehemaliger Wachmann des KZs Dachau, der geschichtsrevisionistische BĂŒcher verlegt; vgl. geschichtsthemen.de (Memento vom 17. MĂ€rz 2015 im Internet Archive)
cite-note-2222. ↑ Geburtsort des A. mit 1 Ziffer verschrieben; so falsch ĂŒbernommen von Wendehorst 2007.